Langa Township – hier scheint nicht nur die Sonne.

Südafrika. Damit verbinde ich viele positive Erinnerungen. Hier begann vieles, was für mich wichtig ist. Ich habe mich erneut umgesehen. Das erste mal war ich 2001 dort. Besonders intensiv hab ich meine Studentenzeit im Jahre 2005 dort erlebt.

Eigentlich wollte ich über die Winelands in der Kapregion zeichnen und berichten. Doch ich habe mich nun doch für ein anderes Erlebnis entschieden.

LANGA TOWNSHIP – hier scheint nicht nur die Sonne

Im Zuge meiner Südafrikareise habe ich mit meiner Familie neben den Weingütern seit langem wieder eine Townshiptour in das Township „Langa“ gemacht.

Langa bedeutet Sonne und ist das älteste Township in Kapstadt. Hier leben auf 2,87 km über 50.000 Menschen. Die Schwarzen-Siedlung, rund 15 Kilometer von der Shopping-Mall „Waterfront“ und den Edelhotels entfernt, wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts von den weißen Machthabern angelegt, um Arbeitskräfte zu „kasernieren“.

Langa Township Südafrika

Langa Township Südafrika

Warum haben wir diese Tour gemacht? Zum einen, um neben den schönen Dingen die man in der Kapregion erleben kann, wieder einmal die andere Seite zu sehen und zum anderen, um unseren Kindern zu zeigen, dass das Leben auch anders sein kann.

Eine Townshiptour macht man natürlich nicht auf eigene Faust. Unser Begleiter war ein sehr engagierter Mann namens Nathan und man fühlte sich sehr sicher mit ihm. Doch nicht nur für das eigene Sicherheitsgefühl ist der Führer wichtig, sondern auch um Dinge zu erfahren, die einem Fremden sonst verborgen bleiben.

Slum Tourismus oder unmittelbare Hilfe im Kleinen?

Böse Zungen könnten auch vom Slum-Tourimus sprechen, allerdings fließt ein beträchtlicher Teil der Einnahmen in verschiedenste Projekte. Viele Touristen sagen, dass sie sich wie im Menschenzoo vorkommen würden und aus diesem Grund nie solch eine Townshiptour buchen. Andere argumentieren, dass wenigstens einige Bewohner von diesen Townshiptouren profitieren.

Ein glattes Ja oder Nein für die Frage ist schwierig zu finden. Viele Bewohner sehen diese Besuche der Touristen als Bereicherung ihres öden Alltages an, von dem sie kurzweilig abgelenkt werden. Sie empfinden es als durchaus positiv, wenn sie den Touristen etwas von ihrem Leben berichten können, vielleicht auch mit dem Hintergedanken, dass deren Situation durch die Townshiptouren einen größeren Teil der Weltöffentlichkeit bekannt wird und irgendwann mal aufgrund des Drucks der internationalen Medien etc. die Regierung sich mehr für sie einsetzt. Wenn dann mit den Einnahmen auch noch soziale Projekte im Umfeld unterstützt werden, damit nicht nur eine Familie etwas davon hat, sollte man kein schlechtes Gewissen haben einen solche Tour zu erleben.

Das Leben innerhalb der Townships scheint unorganisiert. Aber dem ist nicht so. Es gibt Schulen, Krippen, Friseure, Geschäfte, es sieht eben anders aus, als wir Westeuropäer das gewohnt sind. Die Menschen sind auch registriert, denn sie wollen wählen gehen, betont Nathan.

Wir besuchten das Kunst- und Kulturzentrum Gugu Sthebe, und sahen wie Frauen in einer Töpferei, wunderschöne und farbenfrohe Schalen und andere Waren herstellten. Solche sozialen Projekte sind wichtig, damit sich die Gemeinden besser entwickeln und Fortschritte erzielt werden können. Außerdem einen Kindergarten, wo ich trotz der sehr hohen Anzahl der Kinder dachte, immer noch besser, als zwischen den shacks (so werden die Blechhütten genannt, in dem die Menschen hier leben) rumzuhängen.

Langa Township Kunst- und Kulturzentrum Gugu Sthebe

Klowledge is power – das Bildungssystem in Südafrika

„Knowledge is power – Education is the key“ betonte Nathan. Und natürlich, wo es Bildung gibt, steigt die Lebensqualität der Menschen. Zufällig gerieten wir in eine Studentendemonstration. Ich erinnerte mich an meine Studentenzeit, an einer jedoch sehr sicheren, weil „weißen“ Universität in Stellenbosch.

Im Zuges meines Studienganges vor 10 Jahren war ich für ein Auslandssemster an der Stellenbosch University eingeschrieben. Ich war keine „normale“ Studentin, ich studierte dort mit einem einjährigen Kind und trug bereits mein zweites unter dem Herzen. Ich wohnte in Kapstadt und fuhr für die Vorlesungen zur Stellenboch University.

In Kapstadt gibt es zwei Hauptuniversitäten. Die University Stellenbosch sowie die University Capetown. Die Hochschule in der idyllischen Kleinstadt Stellenbosch mit den vielen Kirchen gilt als eine der letzten weißen Universitäten des Landes. Wie kommt das? Dort werden fast alle Vorlesungen auf Afrikaans gehalten. Viele Weiße sprechen Afrikaans, also zieht es deren Kinder häufig zum Studium nach Stellenbosch. Und Afrikaans ist neben Englisch die Sprache der Weißen. die Schwarze Bevölkerung spricht entweder hauptsächlich Xhosa oder Zulu (oder andere Sprachen) und Englisch. Es gibt immerhin 11 Amtssprachen in Südafrika. Somit findet man an der Capetown University, an der in englisch unterrichtet wird, einen größeren Teil der schwarzen Bevölkerung.

In der neuen Verfassung Südafrikas aus dem Jahr 1996 wurde das Recht auf Bildung für alle festgehalten. Die Schulzeit in Südafrika erstreckt sich bis zur 12. Klasse, die Schulpflicht besteht 9 Jahre. Die staatlichen Schulen stellen die große Mehrheit im südafrikanischen Schulsystem. Die Ausbildung der Lehrer hat sich hat sich seit dem Ende der Apartheid stetig verbessert. Es gibt gegenwärtig keine einheitliche Unterrichtssprache in Südafrika. Seit dem Ende der Apartheid werden Anstrengungen unternommen, dass der Zugang zu den Hochschulen allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen offen steht. Dennoch zeigen die Zahlen, dass dieses Ziel noch in weiter Ferne liegt.

Öffentliche und private Schulen in Südafrika finanzieren sich grundsätzlich zum einen durch die finanzielle Zuweisung des Staates und zum anderen durch Schul—und Studiengebühren, welche Eltern für ihre Kinder entrichten müssen. Die Höhe der Gebühren schwankt zwischen den einzelnen Schulen beträchtlich.

Knowledge is power

Obwohl die Schulen seit 2007 in ärmeren Gegenden von einer größeren finanziellen Unterstützung des Staates profitieren als die Schulen in Gegenden mit einer reicheren Bevölkerung, schlägt sich das nicht unbedingt in der Qualität der Schulen nieder. Schulen mit hohen Schulgebühren haben nach wie vor die Möglichkeit, die Schüler-Lehrer-Relation positiv zu beeinflussen und besser qualifiziertes Lehrpersonal einzustellen. Laut Nathan kommen die Zuwendungen des Staates jedoch nicht immer in den Bildungseinrichtungen an. Korruption ist ein immerwährendes Thema.

Unser Guide Nathan berichtete von seinem einzigen Sohn, er hat unglaublich hart gearbeitet, um ihm die bestmöglichste Ausbildung zu ermöglichen.

Kürzlich sollten die Studiengebühren erhöht werden. Tausende junger Südafrikaner sind auf die Straße gegangen, um gegen höhere Studiengebühren zu protestieren – mit Erfolg. Präsident Jacob Zuma verzichtet auf eine Erhöhung. Die Regierung wolle Studenten aus armen Haushalten nicht benachteiligen. Und das ist gut so.

Studentendemonstration Kapstadt

Ich für mich kann sagen, dass es mich wieder demütiger gemacht hat gegenüber dem, wie man lebt und was man selbst hat. Daran sollten wir alle denken.

Über die Weinregionen schreibe und zeichne ich dann ein anderes mal.

Eure Diana