Wer mir fleißig in den sozialen Medien folgt, hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich mich in den letzten beiden Jahren immer mehr mit dem Thema Journaling beschäftigt habe, aber wie geht Journaling eigentlich?
Eines gleich vorweg: Es gibt kein richtig oder falsch. DU BESTIMMST. Für mich ist das Thema Journaling eine weitere wunderbare kreative Reise und ich kann sagen: Sketchnotes, Bullet Journaling und Journaling sind alles kraftvolle Methoden, die Grenzen sind fliessend.
Was unterscheidet Journaling vom Tagebuch schreiben?
Viele Menschen kennen Journaling vom Hörensagen und verwechseln es zunächst mit klassischem Tagebuchschreiben. Beim Tagebuch steht meist das Außen im Vordergrund: Was ist passiert? Was habe ich erlebt? Was habe ich getan? Tagebücher dokumentieren Abläufe und Ereignisse.
Beim Journaling geht es um etwas anderes. Es geht weniger um den äußeren Tag und mehr um den inneren Prozess: Wie denke ich? Wie fühle ich? Was beschäftigt mich? Was brauche ich? Journaling sucht nicht die Chronik, sondern die Klarheit. Es nutzt das Schreiben als Werkzeug für Selbstbeobachtung, Entscheidungsfindung und Orientierung.
Tagebuchschreiben dokumentiert. Journaling reflektiert. Tagebücher halten fest, was war. Journaling hilft, zu erkennen, was ist und was werden soll.

WARUM ÜBERHAUPT JOURNALING?
Journaling kann überraschend viel. Drei Effekte begegnen mir am häufigsten:
– Gedanken entwirren sich
– Gefühle werden benennbar
– Entscheidungen werden klarer
Das Schreiben übernimmt dabei eine Funktion, die unser Kopf allein nur begrenzt leisten kann. Im Kopf bleibt vieles gleichzeitig. Auf dem Papier entsteht Reihenfolge. Und aus Reihenfolge entsteht oft eine Form von Orientierung, die man vorher nicht hatte.
Viele merken erst im Schreiben, was eigentlich los ist. Und manchmal auch, was ihnen schon längst klar war – nur nicht bewusst.
WIE FANGE ICH AN?
Für den Einstieg braucht es nicht viel:
– ein Notizbuch
– ein Stift
– einen Impuls
Perfekt muss hier gar nichts sein. Journaling ist ein Werkzeug, kein Kunstprojekt.
Gerade am Anfang hilft es, den Einstieg nicht dem Zufall zu überlassen.Ich arbeite mit Impulsen und Formaten, die das Schreiben erleichtern und öffnen.
Impulse & Formate für den Einstieg
Journaling fällt vielen leichter, wenn es einen konkreten Einstieg gibt. Ich arbeite im Journaling mit Impulsen und Formaten, die das Schreiben erleichtern und öffnen. Deshalb hier ein paar Beispiele, die sich (bei mir) bewährt haben:
Dankbarkeit
Ein sehr zugänglicher Einstieg ist Dankbarkeitsjournaling. Ich mache das morgens und oft visuell – eine kleine Liste, ein paar Marker, ein Symbol am Rand. Ein bis drei Dinge reichen. Mit der Zeit verschiebt sich der Fokus, was erstaunlich viel verändert. Dadurch ändert sich auch die Perspektive und das führt häufig zu einem zufriedeneren Leben. Schließlichgeht es bei der Dankbarkeit darum, die Aufmerksamkeit auf positive Aspekte des eigenen Lebens zu lenken und ein Bewusstsein für schöne und bedeutungsvolle Momente zu schaffen.
Freewriting
Eine weitere Möglichkeit ist das Freewriting. Hast du schon mal von den Morning Pages gehört? „Morning Pages“ ist eine Journaling-Methode, die von Julia Cameron in ihrem Buch „The Artist’s Way“ populär gemacht wurde. Es ist eine einfache, aber kraftvolle Praxis, die dazu dient, den Geist zu klären und die Kreativität zu fördern. Für drei bis fünf Minuten schreibt man, ohne abzusetzen, ohne zu korrigieren und ohne vorher zu wissen, wohin es geht. Das klingt simpel, bringt jedoch oft Dinge hervor, die im Kopf sonst nicht ausgesprochen würden.
Gleichzeitig können Morning Pages dabei helfen, mentale Blockaden zu lösen, Kreativität zu fördern, Stress abzubauen und den Tag mit einem klaren Kopf zu beginnen. Es ist eine einfache Übung, die dennoch erstaunliche Auswirkungen auf die geistige und emotionale Gesundheit haben kann.
Reflexionsfragen
Und schließlich gibt es Reflexionsfragen. Zum Beispiel:
– Was beschäftigt mich gerade?
– Was möchte ich heute lassen?
– Was würde mir guttun?
– Was wünsche ich mir?
Es geht nicht um richtige Antworten, sondern um Kontakt.

LISTEN ALS ZUGANG
Viele unterschätzen Listen. Ich nutze sie oft, weil sie niedrigschwellig sind und trotzdem Tiefe erzeugen können:
– Things that made my day
– Was gibt Energie / was nimmt Energie
– Entscheidungen dieser Woche
– Dinge, die ich lernen möchte
Listen lassen sich so stehen lassen oder später vertiefen.

DIE ERNTE (nach Kathleen Adams)
Ein spannender Teil des Journalings ist die Ernte. Sie kommt aus der Arbeit von Kathleen Adams und funktioniert so:
zuerst schreiben (z. B. Freewriting)
dann lesen
dann ein zweites Mal schreiben – aber nicht das Gleiche, sondern darüber, was das Lesen ausgelöst hat
Das beginnt mit Satzanfängen wie:
– „Wenn ich das lese, stelle ich fest…“
– „Wenn ich das lese, spüre ich…“
– „Wenn ich das lese, bemerke ich…“
Man gibt sich dafür nur wenige Minuten. Dieser zweite Durchgang öffnet eine andere Schicht – viele erleben genau hier den Moment von Klarheit oder Bewegung.

Externe Impulse: Bücher & Kartendecks
Impulse kann man selbst entwickeln, oder man holt sie sich. Ich kaufe selbst gerne Bücher mit Schreibanlässen und nutze Kartendecks – unter anderem von Kathleen Adams –, die Reflexionsfragen enthalten. Das ist besonders am Anfang hilfreich, weil man nicht erst überlegen muss, was man schreiben soll, sondern direkt ins Schreiben kommt.
Für den Einstieg: Journaling-Starter-Bundle
Wer sich dabei unterstützen lassen möchte, findet im unter anderem ein Journaling-Starter-Bundle, die genau für diesen Einstieg zusammengestellt sind: Material + Impulse + Methoden. Das sorgt vor allem dafür, dass man nicht am Material scheitert, sondern ins Tun kommt. Das ist für viele ein guter Anfang, wenn man nicht selbst alles zusammensuchen möchte.
WAS HAT DAS MIT BULLET JOURNAL ZU TUN?
Bullet Journal und Journaling werden oft zusammen genannt, meinen aber Unterschiedliches. Bullet Journaling strukturiert Aufgaben, Termine, Projekte und Ziele. Journaling reflektiert Gedanken, Gefühle und Entwicklungen. Viele nutzen beides, weil Struktur beim Dranbleiben hilft und Reflexion die Tiefe bringt.
Ich zeige die Bullet Journal Methode seit Jahren in Workshops und Trainings. Wer diesen Teil vertiefen möchte, findet auf meiner Website Kurse und Trainings dazu.

Ein paar Worte zum Schluß
Eines haben all diese Methoden gemeinsam. Ich habe den Stift in der Hand. Und aus diesem Stift kommt raus, was uns bewegt. Wir kreieren in dem Moment, in dem wir vom der Kopf in die Hand Prinzip arbeiten. Das Schreiben mit der Hand hilft uns, um wieder ein wenig zurück zu finden in die analoge Welt. Zeichnen und Schreiben helfen uns dabei handlungsfähig zu bleiben.
Finde heraus, welche Methode oder Kombination am besten zu deinen Bedürfnissen passt. Der Schlüssel ist die Konsistenz, also nimm dir regelmäßig Zeit für deine schriftlichen Reflexionen. All diese Methoden kannst du kombinieren. Versuche zu erfühlen, was du vielleicht genau in diesem Moment brauchst.
Ich könnte noch ewig weiterschreiben und sicherlich sind hier noch nicht alle Aspekte aufgeführt. Ich hoffe dennoch, ich konnte dir hier einen kleinen Einblick einiger der Methoden geben, mit denen ich eine gute Erfahrung gemacht habe.
Insofern: Alles geht, nichts muss.Deine Diana, ich zeichne und schreibe munter weiter…
JOURNALING BARCAMP in Hamburg
Wenn du Lust hast, tiefer ins Journaling einzutauchen und dich mit anderen auszutauschen, dann schau unbedingt beim Journaling Barcamp Hamburg vorbei. Einmal im Jahr treffen sich dort Menschen, die Journaling lieben oder kennenlernen möchten. Gemeinsam wird geschrieben, geteilt, gelacht und inspiriert. Es ist ein Ort voller Ideen, Begegnungen und Impulse – ganz gleich, ob du Anfänger:in oder schon lange dabei bist.




Liebe Diana, wie wundervoll, dass du die reiche Welt des Journaling hier vorstellst und gleich eine Landkarte mitlieferst! So findet jede, die Lust auf diese spannende Reise 🧳 hat, ihren Weg! Danke ♥️ herzliche Grüße von Birgit